Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von Herrn Kurt Mebus Stadtbürgermeister a. D. der im Alter von 92 Jahren verstorben ist.

Mit Kurt Mebus verliert die Stadt Sankt Goar einen herausragenden Kommunalpolitiker, einen überzeugten Demokraten und vor allem einen Menschen, der sich über Jahrzehnte mit außergewöhnlicher Tatkraft, großer Verlässlichkeit und tief empfundener Verbundenheit für seine Heimat und für seine Mitmenschen eingesetzt hat.

Sein Name ist untrennbar mit der jüngeren Geschichte unserer Stadt verbunden.

Von 1971 bis 1991 stand Kurt Mebus als Stadtbürgermeister an der Spitze der Stadt Sankt Goar. Kein anderer Stadtbürgermeister war länger im Amt. Als erster Stadtbürgermeister Sankt Goars in seinen heutigen Ausmaßen hatte er die besondere Aufgabe, aus den verschiedenen Ortsteilen eine gemeinsame Stadt zu formen und zugleich ihre jeweiligen Identitäten zu bewahren.

Der Ausgleich zwischen den Menschen und zwischen den Ortsteilen An der Loreley, Biebernheim, Fellen, der Kernstadt und Werlau war für ihn dabei keine bloße politische Aufgabe, sondern eine Herzensangelegenheit. Kurt Mebus wusste, dass eine Stadt nur dann stark sein kann, wenn ihre Menschen zusammenstehen, einander zuhören und bereit sind, aufeinander zuzugehen. Dieses Verständnis prägte sein politisches Handeln.

Sein kommunalpolitisches Engagement begann bereits lange vor seiner Amtszeit als Stadtbürgermeister. Zunächst gehörte er dem Ortsgemeinderat Biebernheim an. Von 1964 bis 1969 war er Ortsbürgermeister der damals noch selbstständigen Ortsgemeinde Biebernheim und anschließend von 1969 bis 1971 Ortsvorsteher.

Auch über die Stadtgrenzen hinaus übernahm Kurt Mebus Verantwortung. Von 1984 bis 1992 gehörte er dem Verbandsgemeinderat der damaligen Verbandsgemeinde St. Goar-Oberwesel sowie verschiedenen Fachausschüssen an. Darüber hinaus engagierte er sich als Mitglied des Kreistages auch auf Kreisebene für die Menschen unserer Region.

Sein Einsatz für die Gemeinschaft endete jedoch nie an den Grenzen eines politischen Mandats. Ehrenamt und Gemeinsinn waren für Kurt Mebus gelebte Überzeugung. So übernahm er auch in seiner Freizeit zahlreiche verantwortungsvolle Funktionen, unter anderem als Vorsitzender im Turnverein, im Musikverein, beim Deutschen Roten Kreuz und beim VdK.

Ein besonderes Anliegen war ihm zudem die lebendige und freundschaftliche Beziehung zu unserer Schwesterstadt Sankt Goarshausen. Über den Rhein hinweg suchte und förderte er das Verbindende. Auch darin zeigte sich eine Eigenschaft, die ihn als Menschen und Politiker auszeichnete: Kurt Mebus dachte nicht in Grenzen und Gegensätzen. Er suchte das Gespräch, den Ausgleich und das Gemeinsame.

Für sein jahrzehntelanges und vielfältiges Wirken wurden ihm hohe Auszeichnungen zuteil. Er erhielt die Ehrenurkunde des Gemeinde- und Städtebundes, die Ehrennadel des Landes Rheinland-Pfalz und schließlich das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Diese Ehrungen stehen stellvertretend für eine Lebensleistung, die weit über die Wahrnehmung einzelner Ämter hinausging.

Kurt Mebus war ein leuchtendes Beispiel dafür, was kommunalpolitisches Engagement bedeuten kann: Verantwortung zu übernehmen, nah bei den Menschen zu sein, zuzuhören, unterschiedliche Interessen zusammenzuführen und die eigene Stadt mit Überzeugung und Haltung nach innen wie nach außen zu vertreten.

Sein erfolgreiches Wirken hat Sankt Goar nachhaltig geprägt. Vieles von dem, was unsere Stadt heute ausmacht, trägt auch seine Handschrift. Noch bedeutender aber ist vielleicht das, was sich nicht in Beschlüssen, Ämtern oder Jahreszahlen ausdrücken lässt: die Achtung, die er sich bei den Menschen erworben hat, das Vertrauen, das ihm entgegengebracht wurde, und die Erinnerungen, die bleiben.

Ich erinnere mich an viele lange und aufschlussreiche Gespräche mit ihm. Gerne habe ich seinen Rat gesucht und mich mit ihm über unsere Stadt, ihre Geschichte, ihre Menschen und ihre Zukunft ausgetauscht. Kurt Mebus verfügte über einen großen Erfahrungsschatz, aber er drängte ihn niemandem auf. Er konnte zuhören, abwägen und aus vielen Jahrzehnten kommunalpolitischer Erfahrung heraus Orientierung geben. Diese Gespräche werden mir fehlen.

Bei aller Traurigkeit empfinde ich deshalb auch tiefe Dankbarkeit: Dankbarkeit für jede Stunde, die ich mit Kurt Mebus in anregenden Gesprächen verbringen durfte. Dankbarkeit für seinen Rat und seine Offenheit. Und ganz persönlich bin ich dankbar dafür, dass ich diesen besonderen Menschen kennenlernen durfte.

Eine Stadt lebt von den Menschen, die bereit sind, Verantwortung für sie zu übernehmen. Sie lebt von Menschen, die nicht zuerst fragen, was ihnen selbst nützt, sondern was ihrer Gemeinschaft dient. Kurt Mebus war über viele Jahrzehnte ein solcher Mensch.

Wir verneigen uns in Dankbarkeit vor seiner großen Lebensleistung.

Die Stadt Sankt Goar wird Kurt Mebus ein ehrendes Andenken bewahren.

Seinen Angehörigen und allen Menschen, die ihm nahestanden, gilt in diesen Stunden unsere aufrichtige und herzliche Anteilnahme.

Kurt Mebus hat sich um Sankt Goar verdient gemacht.
Sein Wirken bleibt. Unsere Dankbarkeit bleibt. Und die Erinnerung an ihn wird bleiben.

Falko Hönisch
Stadtbürgermeister der Stadt Sankt Goar

Foto: © Pia Trimpe-Müller