
Wie viele Städte wurde auch St. Goar im Lauf der Jahrhunderte von großen Katastrophen heimgesucht. Das alte Rathaus der Stadt, 1332 zum ersten Mal erwähnt, steht beispielhaft hierfür. Das Gebäude mit einem Glockenturm überspannte die Untere Straße, eine der beiden Hauptstraßen der Stadt, mit einem Bogen. Im Erdgeschoss befand sich das Spritzenhaus, im 1. Stock der Sitzungssaal. Das Rathaus wurde 1759 durch eine große Pulverexplosion zerstört. Kaum wieder aufgebaut, brannte es bei dem großen Stadtbrand 1761 bis auf den Grund ab. Der Neubau musste 1825 abgerissen werden, da er mit seiner geringen Durchlassgröße den Verkehr auf der nun zur Heerstraße ausgebauten Unteren Straße behinderte.
Das Nachbarhaus, heute das Hotel Zum Goldenen Löwen, wurde von der Stadt erworben und zunächst als Rathaus, später als Gerichtsgebäude genutzt. Das dreigeschossige Fachwerkhaus stammt aus dem Jahr 1782. Im rheinseitigen Sockel befinden sich Bauteile aus älteren Gebäuden, die hier wiederverwendet wurden – eine Tafel von der Festung Rheinfels aus dem Jahre 1686 und ein Grenzstein mit dem Wappen von St. Goar von 1728.
Neben dem Hotel Zum Goldenen Löwen stand von 1344 bis 1579 das Hospitalfür die Bürger der Stadt. Nachdem es ebenfalls beim großen Pulverschlag zerstört wurde, dauerte es über dreihundert Jahre, bis die St. Goarer 1897 im Gründelbachtal wieder ein eigenes Krankenhaus erhielten.
An der Stelle des benachbarten Hotels am Markt befand sich ursprünglich die Abtei. Von 1860 bis 1907 stand dann dort das königlich-preußische bzw. das kaiserliche Postamt. 1867 wurde der Telegrafenbetrieb aufgenommen, seit 1898 konnten die St.Goarer aus einer öffentlichen Sprechzelle Telefongespräche führen.
